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Bilanzbuchhaltung einfach erklärt

Als Schnittstelle aller Buchhaltungsabteilungen in einem Unternehmen ist die Bilanzbuchhaltung das zentrale Element des betrieblichen Rechnungswesens.

Bilanzbuchhalter – ein moderner Beruf mit vielseitigen Aufgabenbereichen

Bilanzbuchhalter – dabei denkt man sofort an Sonderlinge mit dicken Hornbrillen, die den ganzen Arbeitstag mit dem Wälzen und Durchforsten von Aktenordnern und dem Sammeln und Prüfen von verstaubten, kaffeebefleckten Steuerbescheiden, Finanzunterlagen und Rechnungen verbringen und die nur in Zahlen, Statistiken und Analysen vertieft sind. Aber das Berufsbild genießt dieses antiquierte, spießige und realitätsferne Image vollkommen zu Unrecht.

Es wird in der Öffentlichkeit leider immer noch völlig falsch wahrgenommen. Angestaubt und langweilig? Das ist Schnee von gestern. Die Realität sieht heute ganz anders aus. Hinter dieser Berufsbezeichnung verbirgt sich weitaus mehr als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Denn das altehrwürdige, traditionsreiche Berufsbild des Bilanzbuchhalters hat in den letzten Jahrzehnten – vor allem durch den rasanten technischen Fortschritt im Zeitalter von Digitalisierung und Internet – eine erhebliche Imageaufwertung erfahren.

Es hat sein altbackenes Image schon lange verloren und sich inzwischen zu einem attraktiven Beruf mit interessanten und vielseitigen Aufgaben- und Einsatzbereichen und mit sehr guten Job-, Karriere- und Verdienstmöglichkeiten entwickelt. Mit diesem modernen und zeitgemäßen Image ist das Berufsbild in den letzten Jahren auch für jüngere Arbeitnehmer wieder ein erstrebenswertes Berufs- und Karriereziel geworden.

Die kaufmännische Aufstiegsfortbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter

Viele private und staatliche Aus- und Weiterbildungsinstitute haben diesen neuen Trend auf dem Arbeitsmarkt erkannt und ihre Lehrpläne angepasst, um der steigenden Nachfrage nach diesem Beruf gerecht zu werden. Arbeitnehmer können sich hier im Rahmen einer mehrmonatigen beruflichen Weiterbildung zum Geprüften Bilanzbuchhalter qualifizieren und dadurch ihre Job- und Karrierechancen in der freien Wirtschaft wesentlich verbessern.

In Deutschland ist der Beruf des Geprüften Bilanzbuchhalters keine Berufsausbildung im herkömmlichen Sinne, sondern eine eigenständige, öffentlich-rechtlich anerkannte kaufmännische Aufstiegsfortbildung mit einem von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannten Abschluss.

Zulassungsvoraussetzung für die Prüfung sind entweder eine abgeschlossene Ausbildung in einem kaufmännischen Beruf und eine mindestens dreijährige Berufspraxis oder ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften und eine mindestens zweijährige Berufspraxis. Wichtige berufsspezifische Fertigkeiten sind z.B. Zuverlässigkeit, Leistungs-, Einsatz- und Lernbereitschaft, Sorgfalt, eine selbstständige Arbeitsweise, Diskretion, ein kaufmännisches Verständnis, Planungs- und Organisationstalent, mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen, Rechtschreibsicherheit sowie ein ausgeprägtes Zahlenverständnis und gute mathematische Kenntnisse.

Bilanzbuchhalter können sich über sehr gute Beschäftigungsaussichten in Unternehmen nahezu aller Branchen freuen, wo sie in der Regel in einem Festangestelltenverhältnis arbeiten. Weitere mögliche Arbeitgeber sind u.a. die öffentliche Verwaltung, Verbände und Organisationen. Das durchschnittliche Monatsgehalt bewegt sich zwischen 3.544 Euro brutto und 4.254 Euro brutto. Das durchschnittliche Jahresgehalt liegt zwischen 41.900 Euro brutto und 59.400 Euro brutto.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über das Berufsbild des Geprüften Bilanzbuchhalters.

Erstellen und Veröffentlichen des Jahresabschlusses

Wie die Lohnbuchhaltung, so ist auch die Bilanzbuchhaltung ein Teilbereich des betrieblichen Rechnungswesens in Unternehmen. Hier hat sie verschiedene Funktionen. Wie der Name schon sagt ist ihre wichtigste Aufgabe die Bilanzierung – und zwar insbesondere das Erstellen und das Veröffentlichen des Jahresabschlusses einer Firma am Ende jedes Geschäftsjahres. Damit legt sie Rechenschaft über die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens ab.

Der Jahresabschluss besteht aus der Bilanz und der GuV (Gewinn- und Verlustrechnung), die die wichtigsten betriebswirtschaftlichen Ergebnisse im Geschäftsjahr eines Unternehmens umfassen. Im Jahresabschluss werden die betriebswirtschaftlichen Kennziffern aus allen anderen Buchhaltungsabteilungen im Betrieb ermittelt und zusammengefasst.

Da die Bilanzbuchhaltung die Schnittstelle aller Teilbereiche des betrieblichen Rechnungswesens ist und hier alle ökonomischen Zahlen und Ergebnisse aus diesen Teilbereichen zusammenfließen, ist die Bilanzbuchhaltung auch das zentrale Element der betrieblichen Buchführung. Als rechnerischer Abschluss eines kaufmännischen Geschäftsjahres erlaubt der Jahresabschluss eine entscheidende Aussage über den geschäftlichen Gewinn oder Verlust einer Firma und ist damit der endgültige Maßstab für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens.

Aufklärung über wirtschaftliche Situation, Liquidität und Rentabilität in Unternehmen

Ein weiterer Verantwortungsbereich der Bilanzbuchhaltung ist die unternehmensinterne Auskunft über die aktuelle wirtschaftliche und finanzielle Situation einer Firma. Mit ihrer Jahresabschlussbilanz und ihren monatlichen, viertel- und halbjährlichen Zwischenbilanzen liefert sie auch die rechnerische Grundlage für die strategischen und operativen Planungen und Entscheidungen eines Unternehmens.

Die Bilanzbuchhaltung hat einen Überblick über die aktuellen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen einer Firma und muss die Unternehmensführung jederzeit über die wirtschaftliche Lage, die Liquidität und die Rentabilität einer Firma aufklären können. Die Bilanzen der Bilanzbuchhaltung dienen z.B. als Basis für wichtige unternehmerische Entscheidungen bezüglich der Finanz- und Investitionsplanung und der Personalpolitik.

Zu diesen Entscheidungen gehören u.a. die Einstellung von Mitarbeitern, die Erstellung von Finanz- und Liquiditätsplanungen, das Durchführen von Finanzkontrollen zur Sicherung der Liquidität und das Durchführen von Maßnahmen der Kapitalbeschaffung. Weitere Schritte umfassen z.B. die Verhandlung von Kreditkonditionen, die Identifizierung und Bewertung von finanziellen Risiken im Unternehmen und das Aufzeigen von Maßnahmen zur Risikominderung und -vermeidung im Rahmen des Risk Managements sowie der Aufbau eines internen Kontrollsystems.

Berechnung der Steuerpflichten eines Unternehmens

Ein anderer Zuständigkeitsbereich der Bilanzbuchhaltung ist die Berechnung der Steuerpflichten eines Unternehmens auf der Grundlage der Jahresabschlussbilanz. Für diese komplexe und anspruchsvolle Aufgabe muss ein Bilanzbuchhalter alle erforderlichen juristischen und steuerlichen Kenntnisse besitzen. Nur so kann er gewährleisten, dass er bei der Ermittlung der Steuerpflichten auch wirklich alle Steuervorteile und Sonderregelungen beachtet und dass seine Berechnungen allen relevanten steuergesetzlichen und juristischen Vorgaben entsprechen.

Deshalb muss sich ein Bilanzbuchhalter auch regelmäßig beruflich weiterbilden, um im Bereich nationales bzw. internationales Steuerrecht immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. So umfasst die Berechnung der unternehmerischen Steuerpflichten u.a. die Ableitung des steuerlichen Ergebnisses aus dem handelsrechtlichen Ergebnis, die Bestimmung des zu versteuernden Gewinns nach den einzelnen Gewinnermittlungsarten sowie die Berechnung des zu versteuernden Einkommens und der festzusetzenden Körperschaftsteuer.

Weitere Pflichten eines Bilanzbuchhalters sind z.B. die Prüfung von Geschäftsvorfällen auf ihre umsatzsteuerliche Relevanz und auf ihre Vorsteuer sowie die Vorbereitung von Umsatzsteuervoranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen.

Aufbau und Organisation der Buchhaltungsabteilungen in Unternehmen

Ein weiterer Verantwortungsbereich der Bilanzbuchhaltung ist die eigenständige Organisation der Arbeitsabläufe in allen Buchhaltungsabteilungen eines Unternehmens sowie deren personelle und logistische Ausstattung. Dazu gehören z.B. der Aufbau eines EDV-basierten Buchführungssystems und die Erarbeitung eines Kontenplans.

Als Angestellter in einer Führungsposition muss ein Bilanzbuchhalter für diese Aufgabe nicht nur über eine hohe fachliche Kompetenz und eine jahrelange Berufserfahrung verfügen, sondern auch ausgeprägte Qualitäten in der Personalführung, Durchsetzungsfähigkeit, Selbstbewusstsein und ein gutes Kommunikationsvermögen besitzen.

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