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Der Kurfürstendamm / Kudamm

Kurzreisen nach Berlin sind immer ein unvergessliches Erlebnis. Auch wenn es dabei kaum gelingen wird, die deutsche Hauptstadt mit all ihren Facetten zu entdecken, ein Bummel über den Kurfürstendamm sollte nicht versäumt werden. Berlins Prachtboulevard verbindet auf einer Länge von 3,5 Kilometern den Breitscheidplatz mit dem Rathenauplatz im Grunewald. Hier wurde Geschichte geschrieben und hier blieb sie lebendig. Der Kudamm ist ein quirliges Stück Berlin, eine beliebte Einkaufsstraße, eine anspruchsvolle Gourmetmeile und ein Domizil für Kulturinteressierte.

Unter Kurfürst Joachim II. wurde der Straßenzug 1542 als Reitweg angelegt, um eine Verbindung vom Stadt- zum Jagdschloss im Grunewald zu schaffen. Als “Churfürsten Damm” taucht der unbefestigte Knüppeldamm erstmals 1767 in den Geschichtsbüchern auf. Reichskanzler Otto von Bismarck trieb die Entwicklung des Kudamms voran und 1875 wurde der Ausbau des Dammes in einen Prachtboulevard nach dem Vorbild des Champs Elysees in Paris beschlossen. 

In den 1920er Jahren feierte der Straßenzug seine Glanzzeit als Weltstadtboulevard. Nach der deutschen Teilung zum Geschäftszentrum des Westteils der Stadt geworden, verlor der Boulevard nach dem Mauerfall an Bedeutung. Nach und nach vollzog sich die Wandlung von der Vergnügungs- zur Einkaufsstraße. Exklusive Modelabels und vielfältige Neubauprojekte zeugen von der ungebrochenen Beliebtheit des Mythos Kurfürstendamm.

Der Breitscheidplatz bietet sich als Ausgangspunkt an, den Kurfürstendamm zu besichtigen. Der mehrfach umgestaltete Platz gilt als Pedant zum Alexanderplatz in Ostberlin. Imposantester Bau am Platz ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, eines der Wahrzeichen Berlins. Die Turmruine des im II. Weltkrieg zerstörten Gotteshauses und der moderne sechseckige Neubau Egon Eiermanns aus dem Jahre 1961 bilden ein interessantes architektonisches Ensemble.

Einkaufen am Kudamm ist beinahe schon legendär. Die lange Tradition als Shoppingmeile wurde mit der Errichtung des Kaufhauses des Westens (Kadewe) 1907 begründet. Deutschlands berühmtestes Warenhaus bietet auf sieben Etagen 60.000 m² Verkaufsfläche. Als Publikumsmagnet gilt die Feinkostabteilung in der sechsten Etage. Das Europacenter wurde 1965 als erstes Berliner Hochhaus erbaut. Unter dem markanten Mercedesstern haben sich mehr als 70 Geschäfte niedergelassen. Exklusiv einkaufen wird auch im Kudamm Karree großgeschrieben. Nachtschwärmer finden im Durchgang zur Lützenburger Straße urige Bars.

Auch kulinarisch hat der Boulevard einiges zu bieten. In den Kaffeehäusern fanden einst Literaten und Philosophen zusammen. Unter den rot-weißen Markisen des Café Kranzler während einer Kurzreise nach Berlin zu verweilen, ist ein Muss. Mit dem Café wurde 1825 die Wiener Kaffeehaustradition an der Spree begründet und nirgendwo sonst lässt sich das Treiben auf dem Boulevard stimmungsvoller und schöner beobachten. Wer auf deftige Gerichte steht, wird ebenfalls fündig. Neben rustikalen bayerischen Schmankerln wird auch Deftiges von der Spree angeboten. Auch russische, amerikanische oder ungarische Spezialitäten bereichern die Speisekarten.

Während einer Kurzreise nach Berlin lohnt sich ein Bummel entlang des Kudamms. Hier fallen zahlreiche markante Bauten ins Auge. Mit dem Iduna-Haus am Olivaer Platz finden Besucher ein Relikt aus den Glanzzeiten des Boulevards. Der Bau aus dem Jahre 1907 beeindruckt mit Giebeln, Erkern und Balkonen und gibt der protzigen “kurfürstendammschen Architektur” Ausdruck. Als “Gürteltier” bezeichnen die Berliner das Ludwig-Erhard-Haus. Die neungeschossige Stahlkonstruktion beherbergt ein Kommunikationszentrum der Berliner Wirtschaft. Ein 36 Meter hohes Blechsegel weht über dem Kantdreieck, welches seinem Erbauer, Architekt Josef Paul Kleinhus, in den 1990er Jahren den Architekturpreis bescherte.

Artikelbild: cbies / Bigstock.com

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