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Wo sich eine Umschuldung besonders lohnt – unsere Tipps für den Ersatzkredit

Eine Umschuldung wird vor allem empfohlen, wenn die Zinssätze des alten Kreditvertrags deutlich über den aktuellen Zinsen für ein Darlehen liegen. Aber es gibt auch andere Gründe, wieso sich ein Umschuldungskredit für Sie lohnen kann. Wir werfen einen Blick darauf, was Sie dabei beachten müssen oder wo sich eine Umschuldung besonders lohnt.

Wie läuft eine Umschuldung ab?

Bei einer Umschuldung geht es darum, dass ein laufender Kredit durch ein anderes Darlehen abgelöst wird. Dabei wechseln Sie in der Regel zu einem anderen Finanzierungspartner, der aus Ihrer Sicht ein besseres Angebot bereitstellt. Dazu müssen Sie zuerst die Restschuld des aktuellen Vertrages herausfinden, damit dieser Betrag mit einem neuen Kredit umgeschuldet werden kann.

Wenn Sie der neuen Bank mitteilen, dass es um einen Umschuldungskredit geht, wird die Ablösung des alten Kredits meistens in Zusammenarbeit zwischen den beiden Finanzinstituten in die Wege geleitet.

Wann lohnt sich eine Umschuldung?

Geringere Zinsen bei dem Neuvertrag

Der wohl häufigste Grund für eine Umschuldung ist ein höherer Zins des Altvertrages im Vergleich zu einem neuen Darlehen. Bei älteren Kreditverträgen sind die Zinssätze durch die damaligen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) ein ganzes Stück höher als bei dem Abschluss eines neuen Vertrags. Das Ablösen teurer Kredite lohnt sich besonders bei Baufinanzierungen, aber auch bei längeren Darlehen für Autos oder Konsumartikel sind nennenswerte Ersparnisse möglich.

Besonders hohe Einsparungen sind möglich, wenn Sie sich vor einigen Jahren für eine lange Zinsbindung von 15 oder 20 Jahren bei Immobilien entschieden haben, um vor Zinserhöhungen geschützt zu sein. Durch die niedrigeren Leitzinsen der EZB im Vergleich zu damals sind die aktuellen Kreditverträge nun deutlich günstiger als Ihr Altvertrag. In diesem Fall können Sie je nach Immobilienwert, Laufzeit und Zinsen mehrere Zehntausend Euro sparen.

Änderung der monatlichen Raten

Eine Umschuldung ist ebenfalls eine Lösung, wenn Sie die Raten für das bisherige Darlehen nicht mehr stemmen können. Durch den Umschuldungskredit können Sie den Rückzahlungszeitpunkt verlängern und die monatlichen Raten verringern. Bedenken Sie aber, dass bei einer längeren Rückzahlung des Kredits bei gleichbleibendem Zinssatz Ihre Gesamtkosten steigen, weil Sie mehr Zinsen an das Finanzinstitut zahlen.

Bündeln von kleinen Darlehen

Neben Zinseinsparungen und Ratenanpassungen kann ein Umschuldungskredit auch sinnvoll sein, wenn Sie mit einem großen Kredit mehrere kleine Darlehen ablösen. Dadurch werden die Raten gebündelt und Sie behalten einfacher den Überblick über Ihre Finanzen. Eventuell bekommen Sie sogar günstigere Zinssätze angeboten, falls Sie bei einer Bank mehrere Kreditverträge bündeln.

Wie hoch sind die Kosten für eine Umschuldung?

Bei den Kosten für einen Umschuldungskredit ist der größte Faktor die Vorfälligkeitsentschädigung. Damit werden die Banken für die ausgebliebenen Zinsen entschädigt, die ihnen durch das vorzeitige Beenden des Vertrages entgehen.

Die Bedingungen dafür sind in § 502 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) festgelegt, in dem der Gesetzgeber eine Rate von 1 Prozent des Restbetrages bei einer Laufzeit von mehr als 12 Monaten bzw. 0,5 Prozent des Restbetrags bei einer Laufzeit von weniger als 12 Monaten vorgesehen hat. Deshalb müssen Sie bei einem Umschuldungskredit in der Regel nicht nur die Restschuld als Darlehen aufnehmen, sondern auch die Vorfälligkeitsentschädigung in den neuen Kreditvertrag miteinschließen.

Eine Ausnahme ist das Sonderkündigungsrecht nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB, das Kunden zum Beispiel bei Immobiliendarlehen nutzen können. Sobald Ihre Baufinanzierung eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren erreicht hat, ist eine Kündigung ohne Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Beachten müssen Sie dazu lediglich die Kündigungsfrist von 6 Monaten, die Sie nicht verkürzen können.

Wie finden Sie den richtigen Partner für die Umschuldung?

Für die Beantragung eines Umschuldungskredits stehen Ihnen eine Reihe von Möglichkeiten offen. So können Sie versuchen, günstigere Zinsen bei Ihrer aktuellen Bank zu verhandeln, Angebote bei verschiedenen Finanzinstituten einholen oder im Online-Vergleich nach dem besten Darlehen zu suchen.

Muss ich für die Umschuldung zu einem neuen Kreditinstitut wechseln?

Ein Wechsel zu einer anderen Bank für die Umschuldung ist nicht zwingend notwendig. Während ein Ersatzkredit in der Regel den Wechsel zu einem anderen Finanzinstitut miteinschließt, können Sie auch versuchen, bei Ihrer aktuellen Bank einen neuen Kredit abzuschließen. Teilen Sie dazu dem Kreditinstitut mit, dass Sie den bestehenden Darlehensvertrag kündigen möchten, weil Sie bei einer anderen Bank bessere Konditionen erhalten.

Vielfach erhalten Sie daraufhin ein neues Verhandlungsangebot, das einen modifizierten Kredit beinhaltet. Vergleichen Sie dieses dann mit den weiteren Optionen und entscheiden Sie darüber, ob sich ein Wechsel des Kreditinstituts für Sie lohnt.

Wie finde ich einen neuen Finanzpartner?

Wenn Sie mit den Konditionen bei Ihrer aktuellen Bank nicht zufrieden sind, sollten Sie Angebote von anderen Finanzinstitutionen einholen. Dazu können Sie entweder direkt bei den Banken zur Umschuldung eines bestehenden Kreditvertrags anfragen oder online einen Vergleich für die verbleibende Restschuld aufstellen.

Zu beachten ist bei den Online-Vergleichen allerdings, dass die dortigen Konditionen nicht für jeden vergeben werden. Bei schlechter Bonität können sich die Zinsen für das neue Darlehen deshalb von den Angaben im Internet unterscheiden.

Welche Kredite kann man umschulden?

Generell können alle Kredittypen von der Hypothek für die eigene Immobilie bis hin zum Konsumkredit für den neuen Fernseher mit einem Umschuldungskredit abgelöst werden. Bei Konsumkrediten mit kurzen Laufzeiten kann jedoch vonseiten der Finanzinstitute unter Umständen wenig Interesse bestehen, ein neues Darlehen zu niedrigen Zinsen zu vermitteln.

Weiterhin sind Besonderheiten bei Kreditverträgen, die mit einer Grundschuld abgesichert sind, zu beachten. Deshalb können sich die Kündigungsfristen stark unterscheiden oder eine Kündigung vor Ablauf von zehn Jahren überhaupt nicht möglich sein.

Beispiele für Kreditarten:

  • Konsumkredit für Fernseher, Computer und Co.
  • Kredit für das Studium
  • Darlehen für ein Auto
  • Immobilienkredit

Worauf sollten Sie bei der Umschuldung achten?

Kündigungsbedingungen des alten Kredits

Für die Umschuldung müssen Sie zuerst die Bedingungen des alten Kredits überprüfen, ob ein Ablösen überhaupt möglich ist. Bei den meisten Verbraucherdarlehensverträgen haben Sie nach § 500 Abs. 1 BGB eine Kündigung von maximal einem Monat, sodass eine Umschuldung kaum Probleme verursacht.

Anders ist dies bei Darlehen, deren Zinsbindung kürzer als die Laufzeit ist, weshalb dann erst eine Kündigung nach Ablauf der Zinsbindungsfrist infrage kommt. Eine Ausnahme stellen zudem Zinsbindungen von mehr als 10 Jahren dar, die durch das oben erwähnte Sonderkündigungsrecht nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB mit einer Frist von sechs Monaten gekündigt werden dürfen.

Unterschiedlich ist die Kündigungsfrist auch bei variablen Zinssätzen für Ihren Kreditvertrag, die einer Frist von 3 Monaten unterliegen. Deshalb sollten Sie sich genau anschauen, welche Umschuldung für Ihr altes Darlehen möglich ist.

Zinsbindung des neuen Darlehens

Zu beachten bei dem Ersatzkredit ist die Zinsbindung, die Sie mit dem Finanzinstitut eingehen. Während dies bei der Umschuldung von kleineren Konsumkrediten kaum eine Rolle spielt, sollten Sie dies bei einem Auto- oder Immobiliendarlehen definitiv bedenken. Bei der Baufinanzierung sind Rückzahlungszeiträume mit festem Zinssatz von 10 bis 40 Jahren möglich.

Bedenken Sie aber, dass bei längerer Zinsbindung auch der vereinbarte Zins für das Darlehen steigt. Sinnvoll kann die längere Zinsbindung dennoch sein, denn die historisch niedrigen Zinsen werden nicht immer auf dem aktuellen Niveau bleiben. Zur Bekämpfung der Inflation, die im November 2021 mit 5,2 Prozent deutlich über den Vormonaten lag, wird die EZB wohl kaum eine andere Wahl haben, als die Leitzinsen anzuheben. Mit der Zinsbindung haben Sie für den vereinbarten Zeitraum Sicherheit zur Höhe der Raten und müssen sich bei Zinserhöhungen vorerst keine Sorgen machen.

Sondertilgungen des alten Vertrags

Eine Möglichkeit, die Kosten für die Umschuldung zu senken, sind kostenlose Sondertilgungen, mit denen die verbleibende Summe des alten Kredits verringert werden kann. Diese müssen bei Vertragsbeginn ausgehandelt worden sein und ermöglichen es, die Restschuld ohne Zahlung von Gebühren zu senken. Führen Sie diese zuerst durch, bevor Sie den Vertrag kündigen, sodass der Restbetrag und damit auch die Vorfälligkeitsentschädigung geringer ausfällt.

Welche Laufzeit soll der Umschuldungskredit besitzen?

Ebenfalls überlegen sollten Sie sich die Laufzeit des neuen Kredits. So kann es bei kurzen Laufzeiten vorkommen, dass eine Bank kein Interesse hat, Ihnen einen Umschuldungskredit anzubieten, da die Margen zu gering sind. Ebenfalls kann es ein Warnzeichen für Finanzinstitute sein, wenn Sie die Laufzeit des alten Darlehens verlängern möchten, um die Tilgungsraten zu vermindern. Dies müssen Sie mit dem Finanzpartner absprechen und kalkulieren, wie die jeweiligen Raten und Laufzeit in Ihr Budget passen.

Rechenbeispiel für die Umschuldung einer Baufinanzierung

Schauen wir uns für den Umschuldungskredit ein Rechenbeispiel an, um zu überlegen, ob sich der Wechsel zu einem neuen Finanzpartner lohnt. In diesem Fall haben Sie 2011 eine Baufinanzierung über 200.000€ für einen nominalen Zinssatz von 4 Prozent aufgenommen, die noch bis zum Jahr 2031 laufen soll. Die Zinsbindung haben Sie über 20 Jahre abgeschlossen. Nun haben Sie durch die bisherige Laufzeit von mindestens 10 Jahren ein Sonderkündigungsrecht, sodass Sie ohne Vorfälligkeitsentschädigung aus dem Vertrag ausscheiden können.

Bei Ihrem alten Vertrag müssten Sie nach unserem Rechenbeispiel weiterhin monatliche Raten von 1.211,96€ zahlen, die für die verbleibenden 10 Jahre einen Gesamtbetrag von Restschuld und Zinsen von 145.435,28 € ergeben würde. Nehmen wir nun an, Sie erhalten von einem anderen Finanzinstitut für die Ablösung Ihrer Restschuld von 119.705,57 € einen Umschuldungskredit mit 1,10 Prozent nominalen Zinsen. Dabei sinkt Ihre monatliche Rate auf 1.053,87 € und die gesamte Summe für den Darlehensvertrag beträgt nur 126.464,86 €.

Dadurch zahlen Sie bei dem neuen Darlehen nur Zinsen von 6.759,29 €, während bei dem alten Kredit noch 25.729,63 € an die Bank geflossen wären. Insgesamt lässt sich bei einer Umschuldung für Ihre Immobilie in unserem Rechenbeispiel ein Betrag von 18.970,34 € sparen. Die Kündigungsfrist von 6 Monaten, die wir in unserer Rechnung aus Komplexitätsgründen ausgelassen haben, senkt in diesem Fall zwar die Ersparnis etwas, doch bei dem Ersatzkredit sind weiterhin Einsparungen im fünfstelligen Bereich möglich.

Zusammenfassung

Angesichts der historisch niedrigen Zinsen, die Kunden bei Finanzinstituten für neue Kredite erhalten können, ist die Überprüfung bestehender Darlehen unbedingt zu empfehlen. Lohnen kann sich eine Umschuldung vor allem bei alten Verträgen mit hohen Zinsen oder bei Baufinanzierungen, die nach 10 Jahren ohne Vorfälligkeitsentschädigung gekündigt werden dürfen. In jedem Fall müssen Sie aber die mögliche Ersparnis genau berechnen und die Konditionen des alten Vertrages sorgfältig durchlesen.

Lies zu diesem Thema auch hier weiter:  Ratgeber zur Anschlussfinanzierung