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Wie hat das Internet die Liebe verändert?

Seit der Geburt der Menschheit war die Suche nach einem Partner mehr oder weniger dem Schicksal überlassen. Die Auswahl beschränkte sich mehr oder weniger auf den eigenen Freundeskreis, Kollegen in der Schule oder auch zufällige Begegnungen. Mit dem Zeitalter des Internets begann die Auswahl potenzieller Liebespartner sich plötzlich auszuweiten. Das Internet versprach, die Hürde auf der Suche nach der wahren Liebe zu überwinden. Somit sollte die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Menschen, die wirklich zusammengehören, sich auch treffen, um ein Vielfaches erhöht werden.

Online-Dating-Sites haben in den USA ein erstaunliches Wachstum von 70 Prozent jährlich. Für die Betreiber der Portale haben sich die Investitionen der letzten Jahre durchaus gelohnt, denn der Traum, den Traumpartner online zu finden, hat sich sehr gut verkauft. Während 72 Prozent der Menschen im letzten Jahrtausend ihre Partner an Schulen, im Freundeskreis oder bei der Arbeit gefunden haben und der Rest zufällig über den oder die Geliebte stolperte, ist das Internet nun der häufigste Zeitpunkt von zwei Liebenden. Dies ergibt die Studie der amerikanischen Rochester-Universität „Online Dating: A Critical Analysis From the Perspective of Psychological Science“.

Online Dating bietet große Auswahl

Das Internet kann durchaus als größte „Aufrissbar der Welt“ angesehen werden, gleichzeitig ist es aber auch riesige Datenquelle. Nur die wenigsten Singles, die ihr Profil online verfügbar machen, ahnen, dass zahlreiche Soziologen und Mathematiker ihr Selbstporträt analysieren. Im Vergleich zu einer lokalen Bar kann das Online-Profil nämlich nicht nur beobachten, sondern auch quantifizieren. In seinem neuen Buch „Love Online“ behauptet Soziologe an der Pariser Sorbonne Jean-Claude Kaufmann, dass die ewige Liebe immer weniger gefragt ist. Seiner Meinung nach habe die Menschheit, allen voran die Frauen, in den letzten Jahrzehnten eine klare Grenzlinie zwischen Sex und Liebe gezogen. Dieser Prozess wurde von dem Internet beschleunigt. Demnach ist der Sex heutzutage eine Aktivität zum Zeitvertreib, die man auch außerhalb einer Beziehung praktizieren kann. Dank dem Online Dating wurde der Spaßfaktor von Sex maximiert und damit die dazugehörigen Verbindlichkeiten minimiert.

Überangebot in Online-Dating-Plattformen

Mit nur einem Klick zum Traumpartner – so einfach soll Online Dating sein. Eine aktuelle Untersuchung ergibt, dass es nicht ganz so einfach ist. Demnach seien Singles auf Dating-Portalen von der großen Auswahl überfordert und wählen oftmals den falschen Partner. Forscher der Northwestern University in Chicago haben mehr als 400 Studien zum Thema Online Dating ausgewertet und kamen zu dem Ergebnis, dass das Überangebot potenzieller Partner im World Wide Web Singles ermüden und nicht motivieren. Viele erstellen wenig aussagekräftige Profile. Nachdem ein Single sich durch mehrere dieser langweiligen Profile geklickt hat, geben sie die Suche nach ihrem Traumpartner bereits auf. Wer diesem Schicksal entgehen will, wendet sich an Portale, die ein Überangebot mithilfe von Persönlichkeitstests ausschließen. Hier werden den Singles passende Partner mithilfe eines Interessenabgleiches herausgefiltert. Das Ergebnis sind nur wenige Dutzend mögliche Partner, mit denen sich die Kontaktaufnahme allerdings lohnt.

Online Dating einen Versuch wert?

Diese Frage muss jeder selbst für sich beantworten. Wer jahrelang kein Glück mit Freunden, Bekannten und zufälligen Partnern in der Bar hatte, der kann das Online Dating durchaus testen. Wichtig ist es genau zu wissen, was man sucht. Gleichzeitig sollte man seine Erwartungen aber nicht zu hoch ansetzen, denn so limitiert man von Anfang an die Anzahl der potenziellen Partner. Wer bei der Partnersuche im Internet wirklich seinen Traumpartner finden will, der benötigt Zeit, Geduld und vor allem eine Portion Ehrlichkeit. Wer sein Profil bereits mit falschen Angaben aufbessert, hat keine großen Chancen.

Artikelbild: © Palto / Shutterstock

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