KZ Dachau – vom Konzentrationslager zum Museum

Das Konzentrationslager Dachau war das erste seiner Art und lag rund 20 Kilometer nordwestlich von München. Der Reichsführer der SS ließ das KZ auf einem ehemaligen Gelände einer Munitionsfabrik östlich der Stadt Dachau errichten. Bis zur Befreiung durch die US-amerikanischen Truppen im Jahr 1945 wurde hier ein "Staat im Staat" von der SS geschaffen, wo politische Gegner festgehalten, unterdrückt und ermordet wurden. Der Konstruktionsplan des KZ Dachau von Theodor Eicke diente später als Vorbild für alle weiteren Konzentrationslager.

Die Geschichte des Konzentrationslagers

Zu den ersten Häftlingen in Dachau gehörten politische Gegner des NS-Regimes: Sozialdemokraten und Kommunisten, Gewerkschafter, aber auch konservative und liberale Politiker. Später folgten Kriminelle, engagierte Christen, Zeugen Jehovas, Sinti und Roma, Homosexuelle und vor allem Juden. Im Jahr 1938 brachte die Schutzstaffel der SS rund 10.000 jüdische Gefangene nach Dachau. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 wurden hauptsächlich ausländische Häftlinge nach Dachau transportiert. Zwischen 1939 und 1940 wurde das Lager für die Ausbildung von SS-Einheiten geschlossen, die Häftlinge wurden während dieser Zeit auf andere Konzentrationslager verteilt. Sowjetische Kriegsgefangene wurden im Oktober 1941 in das Lager gebracht und dort erschossen.

Ein Jahr später begannen SS-Ärzte mit den gefürchteten medizinischen Experimenten an den Häftlingen des Konzentrationslagers. Um neue Medikamente zu testen, erzeugten sie künstliche Entzündungen. Die Häftlinge mussten außerdem Höhenflug-, Unterkühlungs- und Unterdruckversuche über sich ergehen lassen. 1942 errichtete die SS im Krematorium eine Gaskammer, dessen Inbetriebnahme bis heute nicht nachgewiesen werden kann. Auf Befehl Hitlers wurden jüdische Häftlinge ab dem 5. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert.

Vor Kriegsbeginn arbeiteten die Häftlinge hauptsächlich in Handwerksbetrieben, im Straßenbau sowie in Kiesgruben der SS. Ab 1942 wurden die Häftlinge vermehrt in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Vermehrte Luftangriffe zwang die Führung, die Produktion von Flugzeugen im Sommer 1944 unter die Erde zu verlegen. Dazu wurden 30.000 Häftlinge, zum Großteil jüdischer Herkunft, aus osteuropäischen Konzentrationslagern nach Dachau gebracht.

Alliierte Truppen waren im Jahr 1945 auf dem Weg nach Dachau, um die Häftlinge zu befreien. Um dies zu verhindern, wurden Ende April desselben Jahres rund 7.000 Gefangene Richtung Süden auf einen "Todesmarsch" geschickt. Am 29. April 1945 erfolgte die Befreiung des Konzentrationslagers Dachaus durch die amerikanischen Einheiten. Von den insgesamt 200.000 in Dachau inhaftierten Menschen kamen offiziell rund 30.000 ums Leben.

SS-Angehörige wurden nach der Befreiung in Dachau festgehalten. Später diente das ehemalige Konzentrationslager als Unterkunft für Flüchtlinge, bis es im Jahr 1960 zu einem Museum wurde.

Museum und Gedenkstätte

KZ Dachau kann heute von jedem besucht werden, es gibt spezielle Touren für Gruppen oder auch Einzelpersonen. Die komplette Tour wird jeder Besucher mit einer Gänsehaut erleben, spätestens wenn man das Tor des Jourhauses sieht, auf dem "Arbeit macht frei" geschrieben steht. Dies war zu dem Zeitpunkt der einzige Zugang zum Konzentrationslager. Im Haus befanden sich die Wachräume der SS sowie die Diensträume der Lagerverwaltung. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude, das heute ein Museum in Dachau ist, befanden sich die Wäscherei, Küche, Kleider- und Effektenkammer sowie das "Bad", das die SS für unmenschliche Folterungen nutzte. Der Bayerische Staat richtete zusammen mit dem Comité International de Dachau ein Museum ein. Zahlreiche Dokumente sollen die Ereignisse objektiv darstellen.

Auf dem Appellplatz mussten sich alle Häftlinge morgens und abends präsentieren. Sollte es einem Gefangenen gelingen aus dem Konzentrationslager zu fliehen, gab es für alle übrigen Gefangenen einen Strafappell. Durch das Konzentrationslager führte die Pappelallee, die von den Häftlingen angelegt wurde. Jeweils 15 Wohnbaracken befanden sich auf jeder Seite der Allee. Jede Baracke konnte etwa 208 Häftlinge unterbringen, letztendlich mussten bis zu 1.600 Häftlinge zusammenleben.

Außerhalb des Lagers befand sich das Krematorium, das 1940 gebaut, aber wegen der hohen Sterblichkeit nicht mehr ausreichte. Zwei Jahre später wurde die Baracke X, ein größeres Krematorium, gebaut. Wie auch in anderen Lagern enthielt die Baracke eine Gaskammer, die allerdings nie genutzt wurde, da die dafür bestimmten Häftlinge in andere Lager transportiert wurden.

1965 wurde nach den Plänen und Initiativen überlebender Häftlinge mithilfe des Freistaats Bayern eine Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZ-Gelände errichtet, das bis heute an die unmenschlichen Gräueltaten erinnert. Jedes Jahr kommen mehr als 700.000 Besucher zur Gedenkstätte nach Dachau.

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