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Wenn Veränderungen das Gleichgewicht der Beziehung stören

Er erhält endlich den lang ersehnten Job, sie erwartet ein Kind – beides sind Momente, die Glück im Leben des Paares bedeuten sollten. Häufig tritt genau das Gegenteil auf, viele Veränderungen bringen eine Beziehung ins Wanken. Durch die neue Rollenverteilung entsteht ein kleiner Machtkampf – dieser muss aber nichts Schlimmes sein.

Wer „die Hosen in der Beziehung anhat“, wird einem Aberglauben zufolge bereits bei der Hochzeitszeremonie entschieden. So soll die Frau die führende Rolle übernehmen, wenn sie am Ende des Hochzeitstages als Erste über die Schwelle der Wohnung tritt. Dies würde aber auch bedeuten, dass sie auf die Tradition, dass sie der Bräutigam über die Schwelle trägt, verzichten muss. Später entscheidet die führende Rolle, wohin die Urlaubsreise geht und wie man die Freizeit gestaltet. In vielen Fällen sind beide Seiten mit der Rollenaufteilung zufrieden. Früher oder später gibt es allerdings große Veränderungen im Leben des Paares, die dazu führen, dass sich einer der Partner mit der Rollenverteilung nicht mehr wohlfühlt. Es entsteht ein Machtkampf zwischen den Verliebten.

Laut der Diplom-Psychologin Karin Krause passt sich die Ehefrau in vielen jungen Familien dem Mann, der traditionell das/mehr Geld verdient, automatisch an. Sobald die Kinder aus dem Haus sind, stellt sie jedoch fest, dass sie ihm nicht mehr folgen muss. Die Ehefrau entwickelt praktisch ein neues Selbstbewusstsein. Häufig führen auch berufliche Veränderungen zu Machtkämpfen: Wird dem Mann eine neue Position mit viel Verantwortung zugewiesen, akzeptiert er zu Hause eine defensivere Rolle. Die plötzliche Forderung nach mehr Gleichgewicht stört dagegen die Harmonie. Viele Menschen lassen langjährige Gewohnheiten nur ungern los und schrecken von Veränderungen zurück, da sie in ihren Augen Unsicherheit mit sich bringen. Wer sich aber nicht auf die Unsicherheit einlässt, der verändert nichts in seiner Beziehung – folglich verliert sie an Lebendigkeit. Selbst in harmonischen Beziehungen haben Partner immer seltener Sex. Ihre Beziehung ist zwar stabil, aber auch langweilig.

Klassische vs. moderne Rollenverteilung

Traditionelle haben bis heute gut funktioniert. Der Vorteil lag darin, dass die Rollen klar verteilt waren und dies die Lage vereinfachte. Moderne Paare suchen heute dagegen ein Gleichgewicht. Sie erwarten gegenseitige Fairness und gleichen Einfluss.

Machtkämpfe entstehen aber auch in Beziehungen, wo beide Seiten gleichgestellt sind. Insbesondere in frischen Beziehungen, wo man am Anfang tolerant ist, sich respektiert und großzügig auf die gegenseitigen Wünsche eingeht, herrscht am Anfang eine idyllische Stimmung. Je länger die Partnerschaft dauert, desto schneller wird diese Haltung abgebaut. Man beginnt damit, den Partner zu manipulieren und zu verändern.

In vielen Beziehungen gibt es keinen unterlegenen Partner per se, vielmehr wird auf unterschiedliche Weisen gekämpft. Der eine wählt unauffällige Strategien, der andere setzt sich aggressiv-dominant durch. Sobald ein Partner die Bestrafungsmacht ausübt, wird es gefährlich. Niemand sollte psychologischen Druck oder Drohungen aushalten müssen.

Sinnvolle Lösungen zur Machtverteilung anstreben

Wie echte Liebesprobleme aus dem Beraterteam-Forum zeigen, ist das Problem der Rollenverteilung keine Seltenheit. Laut dem Paarforscher Prof. Guy Bodenmann ist es wichtig, dass Betroffene ihre Rolle im Machtkampf sehen und den Strategien, die sie einsetzen, bewusst werden. Haben sie das geschafft, müssen sie versuchen, daraus auszubrechen. Dies ist nur mit konstruktiven Gesprächen sowie der Bereitschaft beider Seiten, sich für die Beziehung gleichermaßen und fair einzusetzen. In einem Gespräch sollte das Paar alle Dinge nennen, wodurch sie sich benachteiligt oder unfair behandelt fühlen. Je konkreter sie ihre Situation beschreiben, desto leichter lassen sie sich lösen. Beiden muss aber klar sein, dass sich nicht jedes Problem über Nacht oder mit Leichtigkeit lösen lässt. Sowohl er als auch sie müssen ihre volle Bereitschaft investieren, um die Probleme zu lösen.

Artikelbild: © Ana Blazic Pavlovic / Shutterstock

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