USK und PEGI: Der Unterschied

Beim Kauf von Computer- und Videospielen treffen Käufer, seien dies Eltern oder Spieler, auf zwei Kennzeichnungssysteme zur Alterseinstufung: USK und PEGI. Laien ist häufig nicht bekannt, warum es überhaupt zwei verschiedene Kennzeichnungssysteme gibt und worin sie sich unterscheiden. In diesem Artikel erklären werden die Unterschiede zwischen USK und PEGI erklärt.

Der Hintergrund der Selbstkontrolle

Das Thema Jugendmedienschutz kann aus Sicht des deutschen Grundgesetzes aus zwei Perspektiven betrachtet werden: Einerseits hat der Staat eine verfassungsrechtliche Aufgabe, Minderjährige vor jugendgefährdenden oder entwicklungsbeeinträchtigenden Medien zu bewahren. Andererseits haben Erwachsene laut Grundgesetz gewisse Freiheitsrechte, welche erst dann eingeschränkt werden können, wenn die jugendschutzrechtlichen Vorschriften ausgiebig abgewägt wurden.

Aus diesem Grund wurden diverse Mechanismen zur Selbstkontrolle entwickelt, damit die Kontrolle von Video- und Computerspielen nicht alleine in den Händen staatlicher Behörden liegt.

Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle: Über die USK

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, kurz USK, wurde 1994 nach dem Vorbild der FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) gegründet. Sie ist das Pendant der Selbstkontrolle für Filme und verteilt Altersfreigaben für Computer- und Videospiele. Neun Jahre nach der Gründung unterliegen die Altersfreigaben bereits dem Gesetz und gelten als bindend. Bis heute hat die USK über 30.000 Verfahren durchgeführt. In der Berliner Geschäftsstelle sind acht Mitarbeiter tätig. Zu ihnen gesellen sich regelmäßig ehrenamtliche Spielesichter sowie unabhängige Jugendschutzsachverständige. Das Archiv der USK umfasst mehr als 17.000 Computer- und Videospiele.

Hersteller und Vertreiber von Spielern finanzieren mit ihren Beiträgen die Arbeit der USK. Je nach Verfahrensart handelt es sich um einen fixen Beitrag, der nicht von der Art des Spiels oder dem Ergebnis abhängig ist.

Informationen zum Prüfverfahren der USK

Die Prüfung eines Video- oder Computerspiels hat eine Schwierigkeit gegenüber dem Film: Das Durchspielen des Spiels kann viele Stunden in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund ist es praktisch nicht möglich, dass alle Gutachter das Spiel selbst vollenden. Um sich dennoch ein gutes Gesamtbild zu machen, erfolgt die Prüfung in zwei Stufen:

  1. Testphase: Ein Tester spielt das Game komplett durch. Er speichert mehrere Zwischenstände und schreibt einen Testbericht mit Informationen zum Spielinhalt und -verlauf. Besonders wichtig sind die Momente, die für die Alterseinstufung entscheidend sind.
  2. Prüfphase: Ein fünfköpfiges Gremium trifft in der Prüfphase zusammen. Anhand des Testberichts verschaffen sie sich zunächst einen allgemeinen Überblick über das Spiel. Anschließend spielt der Tester das Game vor dem Gremium vor. Zunächst wird das erste Level gespielt, anschließend präsentiert er anhand der Spielstände unterschiedliche Spielphasen und letztendlich das Spielende.

Die Gutachter haben jederzeit die Möglichkeit, selbst mitzuspielen, um sich besser eine Meinung zu bilden. Grundsätzlich wird aber das gespielt, was der geschulte Tester vorschlägt, es sei denn, die Gutachter wünschen sich spezielle Spielinhalte.

Weitere ausführliche Informationen zum Prüfverfahren der USK gibt es auf der offiziellen Webseite der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle.

Auflistung und Erklärungen zu den Alterskennzeichen

Kennzeichnung Beschreibung
USK ab 0 Freigegeben ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG: Spiele ohne Altersbeschränkung richten sich an alle Spielgruppen, beginnend bei Kindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen. Die Spiele sind in der Regel familienfreundlich oder beinhalten aus Sicht des Jugendschutzes nicht keine Beeinträchtigung für Kinder.
USK ab 6 Freigegeben ab 6 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Ab 6 Jahren freigegebene Spiele sind überwiegend familienfreundlich, jedoch ist der Fokus bereits wettkampfbetonter und spannender.
USK ab 12 Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Der Fokus dieser Spiele ist deutlich kampfbetonter. Die Thematik reicht von historisch über futuristisch bis märchenhaft, sodass sich der Spieler ausreichend distanzieren kann.
USK ab 16 Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG: Gewalthandlungen sind bei Spielen ab 16 Jahren durchaus enthalten, sodass sie sich an die erwachsenere Käuferschicht richten. Viele dieser Spiele handeln von bewaffneten Kämpfen und beinhalten militärische Missionen.
USK ab 18 Keine Jugendfreigabe gemäß § 14 JuSchG: Ein Spiel ohne Jugendfreigabe enthält überwiegend gewalthaltige Spielkonzepte, die sich ausschließlich an Erwachsene richten.

Neben diesen Alterskennzeichen unterscheidet die USK zwischen verschiedenen Genres. Ausführliche Beschreibung zu jedem Genre gibt es hier.

Die USK in der Kritik

Zu hoch sind die Altersfreigaben aus Sicht der Spieler, zu niedrig für die besorgten Eltern. Seit ihrer Gründung schwebt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle zwischen gegensätzlichen Interessen. Dennoch versucht das Unternehmen einen guten Job zu machen - auch wenn es immer Kritik gibt. Zu den Vorwürfen zählen zu grobe Altersstufen, intransparente Prüfkriterien sowie uneinheitliche Gutachten.

Zunächst einige Informationen zum Grundgedanken des deutschen Jugendschutzsystemes, welches auf zwei Gesetzen aufgebaut ist:

  1. Jugendschutzgesetz (JuSchG) des Bundes, welches den Jugendschutz im Offlinebereich regelt, dazu gehören auch Trägermedien wie Computer- und Videospiele.
  2. Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), welcher Onlinemedien betrifft und zwischen den Bundesländern geschlossen wird.

Beide Jugendschutzbestimmungen sollen gemeinsam verhindern, dass Jugendliche und Kinder Inhalten ausgesetzt sind, die für ihre Altergruppe ungeeignet ist.

Grundsätzlich werden alle Spiele vor ihrer Veröffentlichung der USK vorgelegt, damit sie eine Alterseinstufung erhalten. Ohne eine Alterskennzeichnung dürfen Spiele in Deutschland Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden. In der Vergangenheit ist jedoch ein neuer Trend entstanden: Spielehersteller verändern ihre Games nach der Markteinführung, sei es mit neuen Features, Patches oder Add-ons. Nicht selten werden Spiele automatisch aktualisiert. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob das Spiel weiterhin der USK-Alterskennzeichnung entspricht oder ob es eine Korrektur geben müsste. Bei der USK überlegt man aktuell, eine Online-USK einzuführen, die das existente „Basiskennzeichen“, wenn nötig, mit einer neuen Wertung aktualisiert.

Pan European Game Information: Über PEGI

PEGI ist ein von der Interactive Software Federation of Europe (ISFE) entwickeltes europaweites System zur Vergabe von Altersempfehlungen für Computer- und Videospiele, das Eltern helfen soll, die richtige Wahl zu treffen. Das PEGI-System trat 2003 in Kraft und ersetze nationale Altersfemphelungssysteme in 30 Ländern Europas. Die großen Spielekonsolenhersteller Nintendo, Sony und Microsoft unterstützen das System genauso wie Publisher und Spieleentwickler.

Obwohl das PEGI-System die Spielehüllen in zahlreichen Ländern ziert, ist Deutschland kein offizielles Mitglied dieses Systems, da es weiterhin die eigene Institution USk bevorzugt. Dennoch befinden sich mittlerweile auch in der Bundesrepublik viele PEGI-Kennzeichen auf den Spieleverpackungen. Der Grund dahinter ist eine Kosteneinsparung seitens der Hersteller: Sie produzieren ihre Titel für den deutschsprachigen Raum, also für Deutschland, Österreich und die Schweiz, und drucken beide Freigaben auf die Spielehülle.

Informationen zum Prüfverfahren des PEGI-Systems

Im Gegensatz zur USK ist PEGI ein freiwilliges Selbstkontrollorgan. Demnach treffen nicht unabhängige Gutachter die Einstufung eines Spiels, sondern Publisher selbst. Vor Veröffentlichung des Titels füllen die Unternehmen einen Fragebogen aus, indem sie Angaben zu Art und Inhalt des eigenen Spiels geben. Zu den relevanten Informationen gehören Hinweise zur Gewaltdarstellung, einem vorhandenen Online-Modus und vieles mehr. Der Publisher erhält im Anschluss eine vorläufige Altersempfehlung für sein Spiel, welches PEGI in einem automatisierten Verfahren erteilt.

Das niederländische Institut für die Klassifizierung audiovisueller Medien (NICAM) prüft alle Spiele mit einem vorläufigen PEGI 3 und PEGI 7-Rating, ob die Altersfreigabe geeignet ist. Die Begutachtung erfolgt ausschließlich anhand der vom Publisher zur Verfügung gestellten Angaben. Dieselbe Prozedur erfolgt mit den PEGI 12, PEGI 16 und PEGI 18-Titeln, diese werden jedoch vom britischen Rat für Videostandards (VSC) überprüft. Nach der Prüfung informiert das Organ den Publisher schriftlich über die Einstufung und verteilt das entsprechende Kennzeichen.

Obwohl dieses Verfahren stark auf Vertrauen beruht, gab es in der Vergangenheit keinen bekannten Fall von gezielter Manipulation, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Den Publishern ist ihr eigenes Image wichtig, weshalb sie sich bemühen, möglichst genaues Material zur Verfügung zu stellen.
  2. Bei bewusster Unterschlagung von Materialien oder Informationen wird die Zahlung hoher Bußgelder fällig.

Auflistung und Erklärungen zu den PEGI-Kennzeichen

Kennzeichnung Beschreibung
PEGI 3 Spiele dieser Einstufung sind für alle Altersgruppe geeignet und erhalten geringe Gewaltdarstellungen, die meist in einem lustigen Kontext auftreten. Die Spielfiguren sind fiktiv und haben keinen Bezug zu reellen Wesen.
PEGI 7 Es gelten dieselben Kriterien wie bei der PEGI 3-Wertung, jedoch können Angst erzeugende Szenen oder Geräusche auftreten.
PEGI 12 Die Spiele dieser Kategorie deuten Gewalt gegen menschenähnliche Wesen oder Tiere beziehungsweise gegen Phantasiewesen an. Einige Spiele besitzen ausführlichere Nachtdarstellungen sowie eine leicht vulgäre Sprache.
PEGI 16 Diese Videospiele stellen Gewalt oder sexuelle Handlungen wie im wirklichen Leben dar. Des Weiteren sind eine stärkere Vulgärsprache, Konsum von Drogen und Tabak sowie die Darstellung krimineller Handlungen nicht auszuschließen.
PEGI 18 Spiele mit ausschließlicher Empfehlung für Erwachsene enthalten eine grausam wirkende Gewaltdarstellung oder bestimmte Gewaltarten.

Zusätzlichen zu den Alterskennzeichen verwendet das PEGI-System acht verschiedene Inhaltssymbole auf der Rückseite der Spielverpackung, die die jeweilige Altersempfehlung begründen:

Inhaltssymbol Beschreibung
Schimpfwörter
Diskriminierung
Drogen
Angst
Glücksspiel
Sex
Gewalt
Online

USK vs. PEGI: Unterschiedliche Freigaben für dasselbe Spiel

Nicht selten kommt es vor, dass ein und dasselbe Spiel unterschiedliche Altersfreigaben erhalten. Dies ist zum Beispiel bei Assassin’s Creed der Fall: Der Entwickler Ubisoft gab damals via Facebook bekannt, dass der Titel von der USK ab 16 Jahren und von PEGI ab 18 eingestuft wurde. Beide Versionen dagegen sind identisch, die deutsche Variante ist nicht geschnitten oder verändert.

Dasselbe Schicksal ereilte das Spiel L.A. Noire: Rockstar Games teilte mit, dass die USK den Titel ab 16 Jahren einstufte und er in der Bundesrepublik ungeschnitten erscheine. Auf der anderen Seite stufte das PEGI-System den Krimi-Epos für Volljährige ein.

Der Unterschied liegt hier im Detail: PEGI wertet einige Inhalte wie Drogen, Nacktheit und Schimpfwörter anders als die USK. Des Weiteren soll die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle laut Ubisoft das gesamte Spiel bewerten und weniger auf einzelne Details achten.

Artikelbild: © Mikael Damkier / Shutterstock

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