Wo liegt das Risiko bei Krediten?

Wirtschaftlich turbulente Zeiten sorgen immer für verunsichertes Handeln. In dieser Zeit verlieren Menschen oftmals das Vertrauen in das Finanz- und Wirtschaftssystem ihres Landes, weil sich plötzlich immer mehr Fragen offenbaren: Wie sieht die persönliche finanzielle Zukunft aus? Soll man den Hauskauf riskieren oder kann niemand mehr garantieren, dass die Zinslast des Kredites auch in Zukunft getragen werden kann. All diese Probleme existenzieller Bedeutung treten besonders zu Zeiten auf, wenn die Eigenverantwortung zunimmt, egal ob es sich dabei bei der Vorsorge für Kinder oder die Altersvorsorge handelt. Wird zudem noch eine Finanzierung nötig, wird alles noch komplexer.

Welcher Kredit zu einer Familie passt, kann pauschal nicht beantwortet werden.

Kredite sind nach wie vor für viele Menschen von enormer Bedeutung. Sie bieten die Möglichkeit ein Unternehmen aufzubauen, den lang ersehnten Wunsch nach einem eigenen Haus zu verwirklichen oder um ein Automobil zu kaufen. Ob das Risiko den Kreditantrag wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Die eigene Risikopräferenzen finden

Es sollte niemand aus den Augen verloren werden, dass Kredite immer mit Risiken verbunden sind: Dies gilt sowohl für die Bank als auch für den Kreditnehmer. Aus diesem Grund ist es von beidseitiger Bedeutung, dass man die jeweiligen Risikopräferenzen untersucht. Die Bank hat in der Regel ein wichtiges Wort bei der Einschätzung der Risikopräferenzen des Kunden mitzureden. Schließlich ist sie der Kreditgeber und will sich keinem unnötigen Risiko aussetzen.

Mithilfe von Abfrage- und Analyseinstrumenten kann eine Bank in der Regel besser abschätzen, ob der Kunde in der Lage ist, den Kredit zurück zu zahl oder nicht. Leider ist diese Überprüfung in der Praxis nicht immer ganz erfolgreich, wie die Finanzkrise von 2007 bis 2009 belegt. Die Immobilienkrise wurde durch einen Überoptimismus und übersteigerte Erwartungen ausgelöst. In den USA wurden zahlreiche Immobilien gekauft, weil man davon ausging, dass die Preise auch in Zukunft steigen würden. Ein Verlust wurde gar nicht erst eingeplant. Für viele Banken war genau dieses Denken ein gutes Verkaufsargument, auf das teilweise auch viele finanzschwache Kunden hereinfielen.

Nicht an anderen Personen orientieren

In Ihrem Buch "Animal Spirits" haben die beiden Verhaltensökonomen George Akerlof und Robert Shiller gezeigt, dass Menschen ihr Sparverhalten von dem Verhalten von Familie, Nachbarn und Bekannten abhängig machen. Aus diesem Grund wird oftmals nicht optimal bzw. zu wenig oder gar zu viel gespart.

Anhand dieses Beispiels wird schnell klar, dass die Risikopräferenzen ebenfalls vom sozialen Umfeld abhängen. Wenn alle Freunde ein Haus kaufen, wird der Kredit automatisch zu einer naheliegenden Option. Das Resultat konnte vor einigen Jahren hautnah angesehen werden. Die Immobilienblase platzte und unzählige Menschen waren nicht mehr in der Lage ihre Kreditraten zu zahlen.

Zahlreiche amerikanische Vorstädte sind heute leer. Die dortigen Häuser sind komplett wertlos und ihre ehemaligen Bewohner sind hoffnungslos überschuldet. Häuser, die eigentlich nicht nur ein Investitionsobjekt, sondern auch ein Konsumgut sind, wurden in der Vergangenheit vermehrt zum reinen Investitionsobjekt zur Spekulation. Kreditnehmer sowie Banken hatten beide an die unlimitierte Wertsteigerung der Objekte geglaubt - ein Denkfehler, der den Kreditnehmern zum Verhängnis wurde.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Risikopräferenzen bei der Vergabe und Annahme eines Kredites von vielen Faktoren beeinflusst werden. Es ist äußerst wichtig seine eigenen Risikopräferenzen zu kennen. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass Risiken bei Krediten unmittelbar dazugehören. Unter gewissen Umständen können sowohl Kreditgeber als auch Kreditnehmer die vereinbarten Bedingungen nicht einhalten. Wichtig ist es letztendlich, sich ausreichend abzusichern und den nötigen Kredit nicht zu hoch anzusetzen. Wer sich nämlich überschätzt, der landet schnell in der Schuldenfalle.

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