Asstr – erotische Geschichten aus dem Usenet

Alt.Sex.Stories entstand am 7. Mai 1992 als Tim Pierce eine Alternative zu bereits bestehenden Alt-Erotica-Newsgroups schaffen wollte. Die Gruppe kam anfänglich ohne Moderator aus und war somit ein Unikat im Vergleich zu anderen Usenet oder Altnet Newsgroups. Diese Eigenschaft gewährte den Usern eine große Freiheit, wodurch „Asstr“ schnell beliebt wurde.

Der Beginn der Moderation

Anfang des Jahres 1997 erschien eine moderierte Version von Alt.Sex.Stories. Diese wurde nötig, da sich in der originalen Version vermehrt Scammer, Bots und bezahlte Einträge ausgebreitet haben. Die moderierte Newsgroup (ASSM) hatte die Aufgabe alle akzeptierten Geschichten zu veröffentlichen. Seit 2006 geht die Popularität des Services stark zurück. Der Grund dafür sind webbasierte Erotica-Webseiten und Communities, deren Zugang viel einfacher ist. Dennoch hat Alt.Sex.Stories einen speziellen Platz im Herzen der Erotica-Liebhaber und verhalf einigen nennenswerten Autoren, darunter Mary Anne Mohanraj und Elf Sternberg, zum Durchbruch.

Asstr-Unterkategorien

Die Newsgroups sind ein Bereich rund um das Thema „Sex“. Bei den Geschichten handelt es sich um Erotica, die verschiedene Themenbereiche abgreifen. Dementsprechend gibt es verschiedene Unterkategorien.

Wie bereits erwähnt wurden die oben aufgelistet Gruppen oftmals mit Werbung gespammt. Aus diesem Grund wurde zusätzlich die Newsgroup „alt.sex.stories.moderated“ gegründet, die alle möglichen Geschichten beinhaltet, jedoch ohne Spam.

Wie die Geschichten veröffentlicht wurden

Für Autoren war Asstr eine Möglichkeit über Nacht berühmt zu werden. Schließlich mussten die Texte nicht von anspruchsvollen Verlägen gelesen, sondern konnten direkt dem Zielpublikum präsentiert werden. Zu seiner Zeit waren ausschließlich Texte in ASCII erlaubt. Nicht erlaubt waren komprimierte Zip-Arhive, Word-Dokumente, Bilddateien oder HTML-Webseiten. Speziell für diese Dateien wurde später die Gruppe „alt.binaries.stories.sex“ geschaffen.

Weitere Kriterien für die Aufnahme einer Geschichte war die Konvertierung des Textes in „Klartext“. Es wurde zudem als höflich angesehen, am Ende jeder Zeile einen Schreibkopfrücklauf zu machen. Zeilen sollten generell nicht mehr als 75 Charaktere beinhalten, ein vernünftiges Ziel waren sogar nur 72 Zeichen. Lange Texte wurden oftmals in mehrere Abschnitte (beispielsweise 1/3, 2/3, 3/3) aufgeteilt, um den Lesefluss zu erleichtern. Für eine erleichterte Identifikation wurde dem Text ein Titel inklusive Pseudonym gegeben.

Beispiel: {Seurat} New story:Muse (MF)

„MF“ steht in diesem Fall für Male-Female, also Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau.

Rezension von erotischen Geschichten

Rezensionen sind heute auf nahezu jeder Webseite möglich, sei es in Onlineshops, Foren oder Communities über Filme. Erstaunlicherweise war es bereits zu Zeiten von Alt.Sex.Stories möglich Kritiken zu den veröffentlichten Geschichten zu schreiben. Das „Review“ konnte zu jeder Geschichte geschrieben und in jeder Gruppe veröffentlich werden. Einige Autoren verboten ausdrücklich das Schreiben von Reviews und kennzeichneten dies in den Überschriften ihrer Werke. Zwei User unter den Namen „Celeste“ und „Lady Cyrrh“ etablierten sich als reguläre „Kritiker“, indem sie zahlreiche Rezensionen veröffentlichten. Celeste schrieb ihre Kritiken über mehrere Jahre hinweg und sammelte so mehr als 2.000 eingereichte Reviews.

Online-Variante und Kopien

Die textbasierte Variante von Alt.Sex.Stories ist auch heute noch über asstr.org weiterhin aufrufbar. „Alte Hasen“ können die FTP-Variante aufrufen, das Verzeichnis ansehen und die erotischen Texte als TXT-Dateien aufrufen. Allen anderen Besuchern werden moderne Varianten der Erotica angeboten, die oftmals im „schöneren“ HTML-Format präsentiert werden. Eine simple und erweiterte Suchfunktion ermöglicht es zudem, dass nach verschiedenen Autoren oder Keywörtern gesucht werden kann.

Das Konzept von Asstr wurde mittlerweile mehrfach kopiert, allerdings nicht der Sinn, der hinter dem Projekt steckt. So veröffentlichen viele Webseiten zwar ebenfalls Eroticas oder kopieren sie von Alt.Sex.Stories, allerdings nur, um damit Geld zu verdienen. Zwischen den Zeilen der erotischen Texte werden meist pornografische Werbungen eingeblendet. Damit wird der Sinn des Konzepts, eine Datenbank mit erotischen Geschichten zu erzeugen und deren Autoren bekannt zu machen, zerstört.

Artikelbild: © Maksim Shmeljov / Shutterstock

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